Ein nostalgisches Schwebevergnügen …

Kaiserwagen (1)… versprach die Fahrt mit dem roten „Kaiserwagen“ der Wuppertaler Schwebebahn. Er bekam seinen Namen, weil einst Kaiser Wilhelm II. mit seiner Gemahlin Auguste Viktoria darin durch das Wupper-Tal schwebte.

Das nostalgische Ambiente des schönen alten Vehikels wurde generalüberholt und stilecht restauriert, mit plüschgepolsterten Sitzen, goldfarbenen Deko-Stoffen vor den Fenstern, nostalgischen Lampen und einer Jugendstil-Ornamentscheibe, die die Abteile der ersten und zweiten Klasse voneinander trennt.

Dieser Wagen Nr. 5, Baujahr 1900, steht nicht etwa im Museum, sondern verkehrt planmäßig zu gemütlichen Kaffeefahrten, zum zünftigen Frühschoppen und zu stimmungsvollen Abendfahrten. Ortskundige „Stewardessen und Stewards“ in historischen Kostümen begleiten den Kaiserwagen auf seiner Rundfahrt und informieren und bewirten die Fahrgäste.

Als gebürtige Wuppertalerin gehörte die Schwebebahn zu meinem Leben, nicht aber der Kaiserwagen, zumal ich sie dringend benötigte, um einen regelmäßigen Schulbesuch zu garantieren. Aber auch das ging manchmal daneben, wenn man durch einen Stromausfall zwischen zwei Haltestellen hing, und somit manch eine Schulstunde durch höhere Gewalt ausfiel.

Mein beruflicher Werdegang verschlug mich nach Köln. Das war auch gut so, denn hier war jetzt mein Zuhause, mit netten Kollegen und mit Menschen, die ich mochte, und die langsam zu Freunden mutierten. Aber Wuppertal blieb eben meine Heimat …

Und jetzt komme ich zur eigentlichen Geschichte.

Diesen netten Menschen wollte ich einen schönen Tag mit der Schwebebahn bescheren, indem ich sie zum Frühschoppen im ‚Kaiserwagen‘ eingeladen hatte. Die Tickets hatte ich bereits bekommen, der Termin kam immer näher … und ich freute mich tierisch darauf.

Dann kam eine Nachricht übers Regionalfernsehen, die meinen Plan aber auch so was von über den Haufen geworfen hat:

>Am 11. September 1968

riss der schleudernde Anhänger eines LKW in Sonnborn (hier verläßt sie das Flußbett der Wupper und führt über die Straße) einen Stützpfeiler aus der Verankerung. Das Gerüst stürzte auf die Straße.<

Der Schwebebahnverkehr ruhte für zehn Wochen.

Und jetzt????????

Die Schwebebahn galt seit ihres Bestehens (1900) als das sicherste Verkehrsmittel der Welt, nie, aber auch nie ist auch nur der kleinste Unfall passiert (ausgenommen der Stromausfall) und ausgerechnet jetzt, wo ich mir doch was soooo Nettes ausgedacht hatte, passiert das erste Unglück.

Da zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststand, wie lange die Reparatur dauern würde, wurde die Fahrt storniert, den Fahrpreis hat man mir zurücküberwiesen. 

Und dabei ist es dann geblieben … einen weiteren Versuch habe ich nicht mehr gestartet.

* * * * *

Seit einiger Zeit korrespondiere ich mit einem Wuppertaler, der ein recht umfangreiches Foto-Archiv von Wuppertal hat, und der mir Bilder zur Verfügung stellt, mit der Erlaubnis, sie auch verwenden zu dürfen. Vielen Dank!

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5 Antworten zu Ein nostalgisches Schwebevergnügen …

  1. Hildegard schreibt:

    Guten Morgen liebe Rosi, vielen Dank für Deine netten unterhaltsamen Geschichten 😃 Gruß Deine Ex

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  2. Pauline schreibt:

    Von der Schwebebahn höre ich immer wieder gerne, liebe Rose, als alte Velberterin war ich öfter mal in W-tal und eine Fahrt mit der Schwebebahn gehörte einfach dazu. Zumal es an einem Haltepunkt unten ein Harribo-Verkaufslager gab! 😆
    Schade, dass das mit Deiner so lieben Einladung für Deine Kölner nicht geklappt hat; aber dieser Unfall damals ging ja rund um die Welt 😦
    GLG von der ♥ Pauline ❤

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