und doch: Unfälle bei der Schwebebahn

Bei meinen gestrigen Erinnerungen habe ich weiter im Netz gestöbert und bin auf sehr viel mehr Unfällen bei der Schwebebahn gestoßen, von denen ich gar nichts wusste … naja, ich wohnte ja seit 1962 auch in Köln.

Bei meinen Recherchen über die kleineren und größeren Unfälle spürte ich schon ein eigenartiges Gefühl – nix mehr mit „das sicherste Verkehrsmittel“.

In Erinnerung waren mir eigentlich nur der „Tuffi-Sprung“, der Kaiserwagen-Unfall und natürlich der schwere Unfall mit den Toten.

Ein Mythos versinkt in der Wupper! Das Schwebebahnunglück von 1999 sorgte weltweit für Schlagzeilen. The Times widmete dem Unfall eine halbe Seite, und selbst USA Today zeigte ein Foto vom Unfall. 115 Jahre ist sie inzwischen alt, die Wuppertaler Schwebebahn. Nie hat sie in dieser Zeit einen solchen Medienrummel erlebt wie nach dem verheerenden Unfall. Gleich seitenweise berichteten die Zeitungen in NRW über den Unfallhergang, die möglichen Ursachen, die Reaktionen und die Geschichte dieses einzigartigen Verkehrsmittels. Die Blätter waren sich einig, dieses Unglück warft einen dunklen Schatten auf die Geschichte der Wuppertaler Schwebebahn. Hierzu komme ich aber später nochmal.

Am 23. Januar 1903 erfasste ein Schwebebahnzug in Sonnborn auf der Landstrecke einen Fuhrmann, der auf seinen hochbeladenen Wagen geklettert war, um seine Ladung zu sichern. Er wurde zu Boden geworfen und verletzt.

Am 11. April 1908 fuhr eine Betriebsfahrt in der Haltestelle Alter Markt auf eine Fahrgastfahrt auf. Fünf Personen wurden leicht verletzt. Die beiden Fahrzeuge wurden beschädigt und der auffahrende Zug mit dem vorderen Drehgestell aus dem Gleis gehoben, stürzte jedoch nicht ab.

Am 1. Mai 1917 kam es zu einem Auffahrunfall bei der Station Wupperfeld. Ein Zug war liegengeblieben. Die Fahrdienstleiterin erteilte dem folgenden die Ausfahrgenehmigung gegen ein „Halt“ zeigendes Signal. Dieser Zug fuhr nach einer engen, die Sicht verdeckende Kurve auf den liegengebliebenen Zug auf. Der letzte Wagen der gerammten Doppeleinheit wurde dabei aus dem Gleis gehoben und senkte sich langsam in die Wupper. Von den vier Insassen wurde einer verletzt.

Über diesen Unfall am 21. Juli 1955 mit dem kleinen Elefanten „Tuffi“ vom Zirkus Althoff habe ich schon mal geschrieben. Das Tier trug nur geringe Verletzungen davon, dagegen gab es bei den mitfahrenden Reportern, durch die ausgebrochene Panik, einige Verletzte. Der Vorfall wurde so bekannt, dass es später Dutzende Fahrer gab, die die Bahn in diesem Moment gefahren haben wollten. Heute schmückt wupperseitig das gemalte Bild eines kleinen Elefanten eine Hauswand am Unfallort. Eine Wuppertaler Milchverarbeitungsfirma – jetzt in niederländisch-deutschem Besitz – ließ sich den Namen des Elefanten als Markenzeichen schützen.

Am 30. Dezember 1955 streifte ein Hebelarm eines Baggers einen vorbeifahrenden Schwebebahnzug kurz unterhalb der Station Bruch. Die Fahrgäste mussten den Zug an der Station Hammerstein vorsichtshalber verlassen. Schäden waren auf den ersten Blick nicht erkennbar.

Am 11. September 1968 riss ein schleudernder Lastkraftwagen-Anhänger auf der Sonnborner Straße einen Stützpfeiler aus seiner Verankerung, wodurch zwei Brücken auf die Straße stürzten. Der Schwebebahnverkehr ruhte zehn Wochen lang. Seither sind die an Straßen stehenden Traggelenkspfeiler zum Schutz mit Betonsicherungen versehen.

Am 8. Dezember 1970 entgleiste ein Schwebebahnwagen auf einem Fahrbahnstück, wo besonders langsam gefahren werden musste. Er wurde mit Hilfe eines Krans wieder auf’s Gleis gestellt, bereits am nächsten Tag konnte der Fahrbetrieb wiederaufgenommen werden.

Am 3. März 1984 wurde ein dreizehnjähriger Schüler von Klassenkameraden vor eine einfahrende Schwebebahn gestoßen und von dieser erfasst. Er konnte sich jedoch aus eigener Kraft unter der Schwebebahn hervorziehen und brach anschließend auf dem Bahnsteig zusammen. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert.

Am 24. Januar 1989 kollidierte ein Triebwagen über der Bundesstraße 7 mit einem Lkw-Kipper, der abladen wollte. Die Fahrgäste wurden mit einer Bergungsleiter gerettet, alle waren unverletzt. Bereits nach wenigen Stunden konnte die Schwebebahn wieder den Betrieb aufnehmen, auch die Straße wurde schnell wieder freigegeben.

Am 28. Juli 1992 sprang mal wieder ein Triebwagen aus dem Gleis, bei einer Justierung hatte man einen Bolzen vergessen zu entfernen. Der Zug musste mit schwerem Gerät wieder aufs Gleis gestellt werden. Er wurde von einem anderen Zug zurück in die nächste Station gedrückt und anschließend in der Hauptwerkstatt Vohwinkel untersucht.

2-unfall 1997 kaiserwagenAm 25. März 1997 fuhr ein Triebwagen wegen eines technischen Defektes auf den vollbesetzten Kaiserwagen auf, der in der Station Oberbarmen stand. 14 Fahrgäste des Kaiserwagens wurden verletzt, an beiden Fahrzeugen entstand ein erheblicher Sachschaden. Zeitweise war unklar, ob der Kaiserwagen überhaupt wieder fahren würde. 

(Hierüber habe ich schon mal berichtet)

Am 14. November 1998 fuhr ein Triebwagen in der Station Alter Markt auf einen anderen auf. In beiden Fahrzeugen befanden sich insgesamt 120 Fahrgäste. Der Fahrer und 13 Fahrgäste des auffahrenden Zuges wurden verletzt. Die Signalanlage war außer Betrieb, umbaubedingt, und so musste auf Sicht gefahren werden. Der Fahrer des auffahrenden Wagens fuhr zu schnell und konnte nicht mehr rechtzeitig zum Halten kommen.

Und das ist wohl der schwerste Unfall gewesen – am 12. April 1999 – den ich anfangs schon erwähnte. Es war der einzige Unfall in der Geschichte der Schwebebahn, bei dem Tote zu beklagen waren. Als der Triebwagen in die Wupper stürzte, starben fünf Fahrgäste, 47 wurden verletzt. Bei der Erneuerung des Gerüstes wurde eine Stahl-Kralle nach Ende der nächtlichen Arbeiten vergessen, entfernt zu werden. Der erste Zug des folgenden Tages fuhr auf dieses Hindernis auf, das vordere Drehgestell wurde vom Wagendach abgerissen und der Wagen stürzte in die Wupper. Eine Probefahrt vor dem ersten Fahrgastzug hatte nicht stattgefunden und war auch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Im nachfolgenden Prozess wurde deutlich, dass dieser schwere Unfall nicht durch einen technischen Defekt oder einen Systemfehler, sondern allein aufgrund nachlässiger Arbeiten und Kontrolle eingetreten war.

Am 5. August 2008 wurde der Boden des vorderen Teils eines Triebwagens durch den Ladekran eines Lasters aufgeschlitzt. Unfallursache waren nicht genehmigte Arbeiten. Der Zug konnte ohne schwere Verletzungen der Fahrgäste evakuiert werden, der Lkw-Fahrer erlitt mehrere Knochenbrüche.

Am 7. Februar 2012 fuhr ein aus Richtung der Station Völklinger Straße kommender Triebwagen auf einen in der Station Loher Brücke haltenden Triebwagen auf. Dabei verletzte sich eine Frau durch Prellungen und es entstand ein leichter Sachschaden. Auf der Strecke war die Signalisierung abgeschaltet, deshalb bekam der Fahrer die Anweisung, auf Sicht zu fahren.

Am 17. Oktober 2013 musste die Friedrich-Engels-Allee (Bundesstraße 7) abgesperrt werden, da zwischen den Haltestellen Landgericht und Kluse eine etwa 260 Meter lange Stromschiene auf die Fahrbahn gefallen war und zwei geparkte Autos und ein fahrendes Auto getroffen hatte … zum Glück ohne Personenschaden … und große Teile auch in die Wupper gefallen waren. Der Triebwagen wurde dabei so beschädigt, dass er nicht mehr fahrbereit war. Deswegen saßen 76 Passagiere in der Schwebebahn fest, die von der Feuerwehr mit Hilfe dreier Drehleitern gerettet werden mussten. Auch an anderen Streckenabschnitten mussten Personen aus Schwebebahnwagen evakuiert werden. Anfang November deuteten erste Ermittlungen auf einen Materialfehler hin. Erst Ende November 2013 konnte der Schwebebahnbetrieb wieder aufgenommen werden.

Wenn ich heute an meine Fahrschülerinnenzeit mit der Bahn denke und mir, die damals schon ab und zu aufgetretenen Stromausfälle in Erinnerung rufe, wird es mir nachträglich noch mulmig … (und doch würde ich jedes Mal wieder mit dieser Bahn fahren/schweben!)

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6 Antworten zu und doch: Unfälle bei der Schwebebahn

  1. Emily schreibt:

    An den Unfall in Wuppertal kann ich mich gut erinnern. Wuppertal ist nicht allzu weit von mir entfernt. Die Nachrichten waren voll von Bildern des Unglücks.
    Für deinen Artikel hast du richtig gut recherchiert. Es war sehr interessant zu lesen!
    Ganz liebe Grüße, Emily

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  2. freiedenkerin schreibt:

    Das ist eine ganz erkleckliche Anzahl Unglücke – und dennoch würde ich immer noch gerne einmal mit dieser Bahn fahren…

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  3. sweetkoffie schreibt:

    Alles in Allem ein sehr sicheres Fortbewegungsmittel. LG

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